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Walter Bäck - Lyrik

Walter Bäck studierte die Lyrik in all ihren Formen und war in der Anwendung der vielfältigen Rhythmen routiniert. Vor allem die Dichter Theodor Kramer und Ferdinand Sauter zählten zu seinen größten Vorbildern. Bäck verfasste mehr als 5.000 Gedichte in Hochsprache und Mundart. Seine Arbeiten spiegeln sein Leben wider: seine Erlebnisse, Gedanken, Gefühle, Beobachtungen…Oft diente seine Heimatstadt Wien als Kulisse.

Im Park kenn ich schon jede Weglaterne…
(aus dem Buch: Der siebente Teller / Walter Bäck)

Wenn abends andere sich niederlegen,
geh ich noch aus und drehe meine Runde
auf meinen altgewohnten, stillen Wegen
zu oft sehr später, sternenkühler Stunde.

Im Park kenn ich schon jede Weglaterne
und jeden Baum, den ich im Mondlicht schaue,
die Weltennähe und die Himmelsferne…,
den Dieb, mit dem ich mich zu reden traue.

Die Blonde, die ich einst mein eigen nannte,
hat nachts in ihrem Raum die Lichter brennen
und lebt ihr Leben, das mich immer bannte,
doch will sie mich schon lange nicht mehr kennen.

Ein Torkelnder ist Freund mir in den Nächten,
ihm dank ich, dass ich oft nicht einsam lebe.
Dazwischen sag ich vieles dem Gerechten,
obwohl in seine Welt ich zögernd strebe.

Es ladet mich am Weg das Licht der Schenke,
ich geh hinein und plaud’re aus der Seele,
was ich im Leisen mir dann weiterdenke,
wenn ich mich, etwas freier, heimwärtsstehle.

 

Herbstliches Donauland
(aus dem Buch: Ich leb’ am Rand der großen Stadt… / Walter Bäck)

Flüchtige Schönheit, in wenigen Tagen
hat dich dein Meister in Farben getaucht!
Kühlere Schatten, vom Strome getragen,
werden vom Nebel ganz sanft überhaucht.

Herbstmosaik auf dem Weinhügel drüben,
bunte Tapeten sind Wälder und Au.
Frei sind die Segler, die längst nicht mehr üben.
Dort geht gebückt eine einsame Frau.

Hinter ihr Leuchten aus helleren Stunden;
Vor ihr sind Dämmerung, Röte, Vergehn…
Und selbst kein Laut von des Dammwirtes Hunden.
Überall Wandlung und endlich Verstehn.

Früh ist die Späte ins Land eingezogen.
Herz, nimm die Wende der Zeit doch nicht schwer!
Ewiger Strom, trägst mit silbernen Wogen
stets die Unendlichkeit weit in das Meer!

 

Ich leb’ am Rand der großen Stadt…
(Walter Bäck)

Ich leb’ am Rand der großen Stadt,
die viele hohe Häuser hat,
so recht und schlecht dahin.
Die große Stadt heißt Wien.

Hier kam ich aus dem Mutterschoß.
Hier wurde ich nur langsam groß
Weil es viel Hunger gab,
den ich noch immer hab.

So wuchs um mich die Welt empor,
in der ich mich schon früh verlor,
weil ich von vielen einer bin.
Doch hier, am Rand der großen Stadt,
hier, wo sie Wald und Wiesen hat,
durchgrünt sie mir den Sinn.

 

Die Zeitungsfrau
(aus dem Buch: Herz in Flammen / Walter Bäck)

Im Zeitungskiosk kauert eine Zeitungsfrau
versteckt hinter Romanen, die sie schlau

Noch vorm Verkaufen liest. Doch dann und wann
schaut sie sich auch das Spiel des Alltags an.

Sie überdenkt die Titelzeilen, die
die Menschen locken, und ihre Phantasie

dringt in die Seelen, die da draußen gehen,
als könnte sie, was in der Zeitung steht, dort sehn.

Dann kommen sie vom Arbeitsplatz gelaufen,
um ihr den letzten Mord von heute abzukaufen,

und lesen hastig in der Straßenbahn,
als hätten sie es etwa selbst getan.

Nun ist mitunter der Trubel weg,
sie holt – ein Bürschchen wartet drauf – aus dem Versteck

etwas hervor – naja, Sie wissen schon!
Der Käufer eilt mit dem Erstandenen davon.

Die „Prawda“ will ein Mensch von irgendwo,
sie sagt, sie kennt sich aus in Sprachen: „No!“

Spät geht die Zeitungsfrau aus ihrem Kiosk ´naus,
packt nächsten Tag wieder Prozesse aus,

fängt schon im Morgengrauen, sie zu lesen an,
und freut sich, was sie daran verdienen kann.