Kontakt
Impressum
zurück zur HAUPTSEITE
   
     
Home Page Image
Wien_Bibliothek
 

 

Walter Bäck - Mundart

„Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Walter Bäcks Mundartgedichte sind oft von Wehmut getragene Erinnerungen an fast Vergangenes, bisweilen auch heitere, mitunter fast harte Kritik an Bestehendem, manchmal auch Nachdenkliches in epigrammatischer Form.
Bei Bäcks Mundartepigrammen handelt es sich um kritische Ironie mit oft grotesken Pointen, die zum Schmunzeln anregen oder gar zum Lachen zwingen.
Der Wiener Dialekt wurde von ihm gezielt eingesetzt. Manche Themen scheinen geradezu nach dieser Sprachform zu verlangen: ein Vergnügen, angesiedelt zwischen Johann Nepomuk Nestroy und Karl Farkas.

Der Fenstergucker (aus dem Buch: Des Lebm is a Hochschaubahn / Illustrationen: EMIL)

Mei Freind wohnt vis-à-vis von mir,
weshalb i eahm so oft studier,
weil er oft aus sein’ Fenster schaut,
als ob er si net furtgehn traut,
weil er wia Meister Pilgram is,
hat er a vül a schiachers Gfrieß,
san seine Haar aan net so lang,
ma hört aan net Nardinis Klang,
er is ka Master auf der Welt,
so dass eahm aa der Zirkel fehlt,
a Kappe hat er aan net auf…
Sunst passert alles ziemlich drauf!
Oft hab i mi scho gfragt: Warum
schaut der oft auße? Also drum:
Mei Freind hat firchterlich vül Trix,
der arbeit’ nämlich meistens nix!
Des halt i eahm aa unlängst vur,
doch sagt er drauf: „Geh, du bist stur,
du gaffst doch grad so oft wia i
aus dein’ Fentster vis-à-vis,
sunst kenntast mir des gar net sagn!
Gell, so vül Wahrheit wirst vertragn…?“
Mei Freind war unfair auf amal,
draht zu sein’ Gunstn um den Fall –
drum bring i nimmer aus’n Sinn,
dass „i“ der Fenstergucker bin.

 

 

 

Vom Radlfahrn… (aus dem Buch: Spottleut / Illustrationen: Ulrike Icha)

Vom Radlfahrn
hab i a Herzerweiterung,
vom Tennisspüln a Musklentzündung,
vom Schifahrn hinige Knia
und vom Zeltln Rheumatismus.
Waunn i beim Schwimman dersoffn war,
kenntat i dir gar net sagn, wia gsund der Spurt ist!

 

 

Übersetzung: Walter_Bäck_Der_Fenstergucker

Der Fenstergucker

Mein Freund wohnt gegenüber von mir,
weshalb ich ihn so oft studier,
weil er oft aus seinem Fenster schaut,
als ob er sich nicht fortgehen traut,
weil er wie Meister Pilgram ist,
hat er auch viel ein unschöneres Gesicht,
sind seine Haare auch nicht so lang,
man hört auch nicht Naridinis Klang,
er ist kein Meister auf der Welt,
so dass ihm auch der Zirkel fehlt,
eine Kappe hat er auch nicht auf…
Sonst passte alles ziemlich drauf!
Oft habe ich mich schon gefragt: Warum
schaut dieser oft hinaus? Also darum:
Mein Freund hat fürchterlich viele Tricks,
er arbeitet nämlich meistens nichts!
Das halte ich ihm auch vor kurzem vor,
doch sagt er darauf: „Geh, du bist stur,
du schaust doch gerade so oft wie ich
aus deinem Fenster vis-à-vis,
sonst könntest du das gar nicht sagen!
Siehst du, so viel Wahrheit wirst du vertragen…?“
Mein Freund war unfair auf einmal,
dreht zu seinem Gunsten um den Fall –
darum bringe ich nicht mehr aus den Sinn,
dass „ich“ der Fenstergucker bin.

Übersetzung:

Walter_Bäck_Vom_Spuat

Vom Radfahren…

Vom Radfahren
habe ich eine Herzerweiterung,
vom Tennisspielen eine Muskelentzündung,
vom Schifahren kaputte Knie
und vom Zelten Rheumatismus.
Wenn ich beim Schwimmen ertrunken wäre,
könnte ich dir gar nicht sagen, wie gesund der Sport ist!